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Warum ich keinem KI-Text mehr blind vertraue

KI ist kein schlauer Praktikant. Sie ist ein Sprachgenerator mit Antwortpflicht. Und genau das wird im Marketing gerade gefährlich unterschätzt.

Wenn ich heute mit Freunden, Partnern und sogar mit Experten über KI spreche, höre ich oft Sätze wie: „Das klang doch total plausibel.“ Oder: „Das hat ChatGPT doch sauber erklärt.“ Genau hier beginnt das Problem.

Denn KI‑Modelle wie ChatGPT haben kein Wahrheitsbewusstsein. Sie liefern Antworten – auch dann, wenn ihnen belastbare Daten fehlen. Das Ergebnis sind sogenannte Halluzinationen: Inhalte, die sprachlich überzeugen, aber inhaltlich schlicht falsch sind.

Und ja: Diese Fehler landen längst nicht mehr nur in internen Entwürfen. Sie tauchen in Blogartikeln, Social‑Media‑Posts, Produktbeschreibungen und sogar in automatisierten Kampagnen auf. Ungesehen. Ungeprüft. Unterschätzt.

Warum wir KI-Fehler so oft übersehen: der moderne Wikipedia-Effekt

Das Gemeine an KI‑Halluzinationen ist ihre Tarnung. Sie sehen professionell aus. Sie lesen sich flüssig. Und sie bedienen genau den Ton, den wir im Marketing erwarten.

Wenn du in einem Thema tief drinsteckst, merkst du die Fehler meist schnell. Bei neuen, komplexen oder fachlichen Themen hingegen vertraust du zu leicht. Ich nenne das den modernen Wikipedia‑Effekt: Was gut formuliert ist, wird selten hinterfragt.

KI verstärkt diesen Effekt. Und genau deshalb rutschen falsche Aussagen so leicht durch interne Freigaben – besonders dann, wenn unerfahrene Mitarbeitende oder Berufseinsteiger mit generativen Tools arbeiten.

Und das betrifft nicht nur das Marketing. Auch Nachrichteninhalte sind von fehlerhaften Inhalten betroffen. Das zeigt eine internationale Studie unter Beteiligung von ARD und ZDF.

Die Ergebnisse (zitiert aus der Studie):

  • 45 Prozent aller KI-Antworten wiesen mindestens einen erheblichen Fehler auf.
  • 31 Prozent der Antworten zeigten gravierende Probleme bei den Quellenangaben.
  • 20 Prozent enthielten deutliche Ungenauigkeiten, Halluzinationen oder veraltete Informationen.
Eine internationale EBU-Studie zeigt: 45 % der KI-Antworten enthalten mindestens ein signifikantes Problem. Zählt man Antworten mit kleineren Mängeln hinzu, weisen insgesamt 81 % der KI-Antworten Qualitätsprobleme auf. (Quelle: ARD / EBU-Studie)

Was auf dem Spiel steht: Deine Marke

Lass uns ehrlich sein: Ein falscher Fakt ist kein Tippfehler. Er ist ein Vertrauensbruch.

Und dieser Vertrauensbruch wirkt nicht punktuell, sondern langfristig. Denn Markenvertrauen wird über Jahre aufgebaut – und kann durch wenige unkontrollierte Inhalte massiv beschädigt werden.

Ungeprüfte KI‑Inhalte können:

  • die Glaubwürdigkeit deiner Marke beschädigen
  • rechtliche Risiken auslösen, etwa durch falsche Leistungsversprechen oder fehlerhafte Aussagen
  • Kunden verunsichern und Erwartungen erzeugen, die dein Angebot nicht einlösen kann
  • interne Qualitätsstandards untergraben und ein falsches Verständnis von Content‑Qualität etablieren

Besonders kritisch: Fehler aus KI‑Texten wirken oft offiziell. Sie stehen auf der Website, im Newsletter oder im Unternehmensblog. Damit bekommen sie den Anschein geprüfter, freigegebener Unternehmenskommunikation – auch wenn sie faktisch falsch sind.

Ein Artikel aus dem digitalbusiness-magazin bringt es ziemlich deutlich auf den Punkt: „59 Prozent der deutschen Data Leaders sehen KI-Halluzinationen in geschäftskritischen Workflows als Katastrophe, die darauf wartet, zu passieren`“

Gerade im Marketing, wo Konsistenz, Verlässlichkeit und Wiedererkennbarkeit zentrale Währungen sind, ist das brandgefährlich. Automatisierung ohne Kontrolle ist kein Effizienzgewinn – sie ist ein Reputationsrisiko. Wer hier spart, zahlt später mit Vertrauen.

KI ist ein Schwätzer: Fakt Checking wird zum Muss

Besonders kritisch wird es, wenn solche Fehler unbemerkt in redaktionelle Texte, Social Media Postings oder automatisierte Kampagnen einfließen.

Denn die Modelle „schwätzen“ im Zweifel lieber, als zu schweigen. Die vermeintliche Klarheit und Souveränität in der Form verleiteten dazu, die Inhalte ungeprüft zu übernehmen.

Diese Dynamik stellt Unternehmen vor eine neue Herausforderung: Unternehmen müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die KI fantasiert und generierte Inhalte sorgfältiger prüfen.

Gerade wenn dir etwas zu „glatt“ vorkommt sollten die Alarmglocken schrillen. Dann ist deine journalistische Verantwortung gefragt.

  • Checke mindesten 2 voneinander unabhängige Quellen
  • Schreibe nur über ein Thema, wenn du im Thema sattelfest bist
  • Frage den Chatbot, ob das wirklich stimmt
Fake News | Artikelbild | CAMPIXX
Automatisiert erzeugt, ungeprüft übernommen: So entstehen neue Formen von. (Bildquelle: Gerd Altmann, Pixabay)

Warum KI überhaupt halluziniert: falsche Daten, unreflektiertes Teilen

Die Ursache für Halluzinationen liegt zum einen in den Trainingsdaten. Werden die Modelle mit falschen oder einseitigen Inhalten (so genannte Bias) trainiert, entstehen Verzerrungen – also sachlich falsche, aber überzeugend klingende Ausgaben.

Auch das algorithmische Design und menschliches Verhalten tragen zu unsinnigen Ergebnissen bei. Werden beispielsweise falsche Inhalte auf Social Media vielfach positiv bewertet, übernimmt die KI diese Signale als „wahr“.

Auf den Punkt liegen die Ursachen hier:

  • Trainingsdaten: Verzerrte oder fehlerhafte Inhalte erzeugen verzerrte Ergebnisse.
  • Algorithmisches Design: KI ist darauf optimiert, zu antworten – nicht zu zweifeln.
  • Menschliches Feedback: Was oft geliked oder geteilt wird, wirkt für KI „wahr“.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: KI unterscheidet nicht zwischen gesichertem Wissen, Annahmen und Interpretation.

Alles wird im gleichen Tonfall ausgegeben. Genau das macht Halluzinationen so gefährlich – sie klingen nie unsicher, sondern immer souverän.

Besonders tückisch: der Qualitätsabfall in langen Texten. Oder im Fachsprech:

Hole-in-the-Middle: Fehler im Mittelteil

Dieses „Hole-in-the-Middle“-Phänomen beschreibt einen typischen Schwachpunkt bei großen KI-Modellen: In der Mitte langer Texte entstehen besonders häufig Fehler.

Die KI beginnt stark, verliert in der Mitte an Qualität und wird zum Ende hin wieder präziser.

Diese Schwäche liegt daran, wie der sogenannte Kontextspeicher funktioniert – also der Bereich, in dem das Modell vorherige Informationen berücksichtigt. Deshalb schleichen sich vor allem in langen Texten Fehler oft unbemerkt im Mittelteil ein.

Augen auf: Diese Inhalte sind besonders anfällig

Aus meiner Erfahrung sind vor allem diese Formate kritisch:

  • fachlich anspruchsvolle Blogbeiträge, bei denen Detailtiefe und Einordnung erwartet werden
  • komplexe Produkt‑ und Leistungsbeschreibungen, die Nutzen, Funktionen und Grenzen präzise erklären müssen
  • automatisierte Social‑Media‑Posts, die ohne Kontext oder redaktionelle Kontrolle ausgespielt werden
  • Inhalte mit rechtlicher oder regulatorischer Relevanz, etwa in Finanz‑, Gesundheits‑ oder HR‑Themen

Das verbindende Element all dieser Inhalte: Sie verlangen fachliche Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und ein klares Verständnis für die Erwartungen der Zielgruppe.

Genau hier stößt KI schnell an ihre Grenzen.

Kurz gesagt: überall dort, wo du als Marke Kompetenz, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit beweisen willst – und wo Fehler nicht nur peinlich, sondern geschäftsschädigend sein können.

Risiken für deine Marke: von Reputationsverlust bis Rechtsverstoß

Wenn du Inhalte aus KI-Anwendungen ohne Kontrolle veröffentlichst, riskierst du rechtliche Probleme, Irritationen bei Kunden und Schäden für das Unternehmensimage.

Besonders kritisch wird es, wenn Mitarbeitende ohne Erfahrung im Thema und im Umgang mit KI mit KI-Modellen arbeiten: Fehlt ihnen das Fachwissen und werden ihre Ergebnisse nicht geprüft, bleiben viele Fehler unbemerkt.

Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang das Prinzip „Human-in-the-Loop“ – das bedeutet: Ein erfahrener Experte überprüft die Ergebnisse vor der Veröffentlichung.

Was immer wichtiger wird: Weiterbildung im Umgang mit KI-Tools. Die wird hierzulande, na ja, sagen wir mal: stiefmütterlich behandelt.

Fast schon erschreckend finde ich hierzu das Ergebnis einer AOK-Studie aus dem Oktober 2025, also ziemlich aktuell, zur Auswirkung von KI auf die Gesundheit der Arbeitnehmenden.

Ich zitiere: „… nur knapp 40 Prozent (haben) bereits an einer Fortbildung zum Thema Künstliche Intelligenz teilgenommen. Ein Prozent der Befragten weiß gar nicht, was man unter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ versteht. Die meisten Befragten wissen „in etwa“, was damit gemeint ist (47 Prozent) oder meinen ganz gut erklären zu können, was Künstliche Intelligenz ist (ebenfalls 47 Prozent). Nur fünf Prozent würden sich als Expertin oder Experte zum Thema bezeichnen. „In den jüngeren Altersgruppen ist das Wissen der Befragten laut Selbsteinschätzung deutlich ausgeprägter – so würden sich acht Prozent der Befragten von 19 bis 35 Jahren als KI-Experten bezeichnen …“.

Was wirklich hilft: und was nicht

Bevor wir also konkret über Tools, Prompting oder Prozesse sprechen, müssen wir über Weiterbildung sprechen.

Denn das größte Risiko im Umgang mit KI ist nicht die Technologie selbst – sondern fehlendes Verständnis auf der Anwenderseite.

Wenn du nicht weißt, wie KI arbeitet, warum sie halluziniert und wo ihre systemischen Grenzen liegen, kannst du Ergebnisse nicht bewerten.

Und wenn du Ergebnisse nicht bewerten kannst, solltest du sie nicht veröffentlichen.

Weiterbildung schafft hier die Grundlage: für kritisches Denken, für saubere Einordnung und für verantwortungsvolle Entscheidungen im Alltag. Sie ist meiner Meinung und Erfahrung nach die Voraussetzung für jede professionelle KI‑Nutzung– gerade im Marketing.

Erst danach greifen operative Maßnahmen.

Prompting ist gut: Kontrolle ist besser

Gutes Prompting ist natürlich die Basis für die Zusammenarbeit mit KI-Tools. Aber: Auch beim Prompting gilt. Mach die Augen in jeder Prozessstufe auf!

Denn Prompting allein löst das Problem nicht. Strukturierte und präzise Eingaben können Halluzinationen reduzieren, aber sie ersetzen keine Kontrolle.

Fakt ist: Kein Modell ist frei von Halluzinationen oder Verzerrungen. Um Risiken zu begrenzen, hat sich folgendes bewährt:

  • Human-in-the-Loop: Fachlich versierte Mitarbeitende sollten immer in die Kontrolle eingebunden bleiben.
  • Modell-Vielfalt: Ergebnisse sollten mit mindestens zwei unterschiedlichen KI-Modellen gegengeprüft werden.
  • Datenqualität: Eine gezielte Auswahl der Daten und Quellen senkt das Fehlerpotenzial.
AI-Hellucination-Reduction | Artikelbild | CAMPIXX
KI-Forscher haben verschiedene Techniken zur Reduzierung von Halluzinationen getestet – mit teils deutlich unterschiedlichen Erfolgen. (Quelle: https://www.ard.de/die-ard/presse-und-kontakt/ard-pressemeldungen/2025/10-22-Internationale-EBU-Studie-zur-Nachrichtenqualitaet-von-KI-Systemen-100/)

Wenn du generative KI professionell nutzt, brauchst du klare Standards und feste Abläufe, um Fehler früh zu erkennen und die Qualität der Ergebnisse zu sichern.

All das ist kein Misstrauen gegenüber der Technologie. Das ist professionelles Qualitätsmanagement.

Denn hinter jeden guten Automatisierung steht Verantwortung gegenüber deiner Zielgruppe und deiner Marke.

Automatisierung ja: aber mit Verantwortung

Ob LinkedIn-Posts, Produkttexte oder Social Ads: Automatisierung entlastet, ersetzt aber nicht den gesunden Menschenverstand.

Wenn du der KI blind vertraust, riskierst du falsche Aussagen oder gar Imageschäden.

Denn selbst vermeintlich einfache Inhalte können aus dem Ruder laufen, wenn der Kontext falsch interpretiert oder relevante Fakten durch Halluzinationen verfälscht werden. Oder wenn das Look & Feel deines Contents deinem Branding widerspricht.

Denk also daran, wenn du mal wieder schnell ein Posting von ChatGPT generieren lässt:  Zielgruppen reagieren sensibel auf Aussagen, die nicht zur Markenidentität passen.

Der Mensch bleibt auch in der Automatisierung letzte Instanz – mit der Aufgabe, Inhalte nicht nur freizugeben, sondern auch im jeweiligen Kommunikationsumfeld richtig einzuordnen und anzupassen.

Halluzinationen minimieren: Meine 3 To-Dos für Marketer

  1. Bewusstsein schaffen: Halluzinationen erkennen und ernst nehmen.
  2. Qualitätsmanagementprozesse etablieren: Modelle vergleichen, Quellen prüfen, Inhalte fachlich überprüfen.
  3. Anbieterwechsel einplanen: KI-Modelle entwickeln sich weiter. Wer sich festlegt, verpasst neue Entwicklungen.

Ja, KI spart Zeit. Ja, sie skaliert Content. Und ja, sie ist aus dem Marketing nicht mehr wegzudenken.

Aber sie ersetzt weder Fachwissen noch Urteilsvermögen. Wenn du Inhalte blind übernimmst, delegierst du deine Verantwortung an ein System, das keine trägt.

Mein Fazit

KI ist ein mächtiges Werkzeug – aber kein Selbstläufer.

Wenn du ihre Stärken nutzen willst, muss du ihre Schwächen kennen. Halluzinationen verschwinden nicht. Sie lassen sich nur managen.

Wenn du KI strategisch einsetzen willst, brauchst du klare Regeln, geschulte Teams und den Mut, Inhalte zu hinterfragen. Erst dann wird aus generativer KI ein echter Vorteil – und kein Risiko für deine Marke.

Oder anders gesagt: KI kann viel. Aber denken musst du immer noch selbst.

Markus Bockhorni | Experte | CAMPIXX

Markus Bockhorni

Geschäftsführer at eMBIS Akademie für Online Marketing | Website

Der Gründer und Geschäftsführer der eMBIS Akademie Markus Bockhorni arbeitet seit Jahren als Trainer im Bereich Online Marketing. Seinen hohen Anspruch an Praxisnähe erfüllt der überzeugte Online Marketer mit Engagement, fundierten Know-how und langjähriger Anwender- und Lehrerfahrung. Auch Seminarteilnehmer ohne technisches Hintergrundwissen sind bei ihm in den besten Händen. Als Online Marketer der ersten Stunde und passionierter Web-Analyse-Spezialist verfügt er über jede Menge Praxiserfahrung und kennt das komplexe Zusammenspiel von Online-Netzwerken und digitalen Marketing-Kampagnen.

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