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Warum du aufhören solltest, deine "AI-Rankings" zu tracken
Na, wie läuft’s? Das Budget für 2026 schon verplant? Lass mich raten: Ein ordentlicher Batzen geht für »AI Visibility« drauf, richtig? Dein Chef will endlich wissen, auf welchem Platz euer Brand bei ChatGPT & Co. landet. Verständlich. In einer Welt, in der 95 % aller Marketer ihre AI-Ausgaben erhöhen wollen
und manche, schon von einem 217-Milliarden-Dollar-Markt für AI im Marketing träumen, will man ja nicht den Anschluss verpassen. Aber was, wenn ich dir sage, dass du dein Geld möglicherweise gerade mit vollen Händen für eine Runde Lotto aus dem Fenster wirfst?
Genau das legt eine neue, brutal ehrliche Studie von Rand Fishkin (SparkToro) und Patrick O’Donnell (Gumshoe.ai) nahe. Und sie kommt zu einer Zeit, in der Unternehmen bereits über 100 Millionen Dollar pro Jahr für AI-Tracking ausgeben, ohne dass irgendjemand die grundlegendste aller Fragen gestellt hat: Sind die Ergebnisse dieser »Antwort-Maschinen« überhaupt konsistent genug, um sie sinnvoll zu tracken?
“What the heck?! How could any serious executive willingly spend thousands or millions at an AI tracking provider without answers to this basic question?” – Rand Fishkin
Spoiler-Alarm: Sind sie nicht. Willkommen zur großen AI-Search-Lotterie.
Dein Ranking ist eine Illusion: Willkommen im Casino
Erinnerst du dich an die wilden Anfangszeiten von SEO? An die zwielichtigen Verkäufer, die dir für 99 Dollar im Monat Platz 1 bei Google versprochen haben? Sie sind wieder da, nur tragen sie jetzt schicke Anzüge und nennen sich »AI Visibility Experts«. Und ihr Produkt ist genauso substanzlos wie damals. Die SparkToro-Studie hat 600 Freiwillige die gleichen 12 Prompts fast 3000 Mal in ChatGPT, Claude und Google AI eingeben lassen. Das Ergebnis ist ein Weckruf für jeden, der an die heilige Metrik des »Rankings« glaubt:
| Metrik | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|
| Gleiche Markenliste | Weniger als 1 zu 100 |
| Gleiche Liste in gleicher Reihenfolge | Weniger als 1 zu 1.000 |
Du hast richtig gelesen. Die Chance, dass du zweimal hintereinander dieselbe Liste von Markenempfehlungen in derselben Reihenfolge erhältst, ist geringer als einen Royal Flush beim Poker zu bekommen. Und das selbst in Nischen mit sehr wenigen Anbietern. Die AI-Tools variieren nicht nur die Liste und die Reihenfolge, sondern auch die Anzahl der Empfehlungen. Mal sind es drei, mal zehn.
Der Grund dafür ist fundamental und entlarvt das ganze Konzept des »Rankings« als Farce. Diese Tools sind keine Wissensdatenbanken. Es sind, wie Fishkin es nennt, »Probability Engines« – oder, um es weniger schmeichelhaft auszudrücken, extrem hoch entwickelte Spicy-Autocomplete-Systeme. Sie würfeln Wörter basierend auf Wahrscheinlichkeiten aus ihren Trainingsdaten zusammen. Sie sind darauf ausgelegt, jedes Mal einzigartige Antworten zu generieren.
“These tools are probability engines: they’re designed to generate unique answers every time. Thinking of them as sources of truth or consistency is provably nonsensical.” – Rand Fishkin
Wenn du also das nächste Mal eine AI-Antwort bekommst, die dir nicht gefällt – keine Sorge. Frag einfach nochmal. Und nochmal. Irgendwann wird dein Brand schon auftauchen.
Der 100-Millionen-Dollar-Markt für... was eigentlich?
Trotz dieser fundamentalen Zufälligkeit boomt der Markt für AI-Tracking-Tools. Namen wie Gumshoe.ai, OtterlyAI oder Evertune AI sprießen aus dem Boden und versprechen, Licht ins Dunkel der AI-Blackbox zu bringen. Und die Marketing-Welt, getrieben von der Angst, den nächsten großen Kanal zu verpassen, investiert bereitwillig. Schließlich werden die SEO-Budgets gerade massiv in Richtung AI umgeschichtet, da organische Reichweite durch AI Overviews und Zero-Click-Suchen (mittlerweile 58–60 % aller Suchen) erodiert.
Das Problem? Viele dieser Tools verkaufen weiterhin die alte, lieb gewonnene Illusion des Rankings. Eine Metrik, die, wie wir gerade gesehen haben, »full of baloney« ist, um es mit den Worten der Studie zu sagen.
Ein Hoffnungsschimmer am Horizont: "Visibility %"
Aber halt, wirf dein AI-Analyse-Tool noch nicht ganz aus dem Fenster. In all dem Chaos hat die Studie eine überraschend robuste Metrik gefunden:
die Visibility Percentage.
Die Idee ist einfach: Wenn du einen Prompt oft genug wiederholst (wir reden hier von 60-100 Mal), ist es zwar extrem unwahrscheinlich, dass du jemals die gleiche Liste bekommst. Aber du kannst zählen, wie oft eine bestimmte Marke überhaupt in den Antworten auftaucht. Und dieser Prozentsatz scheint erstaunlich stabil zu sein.
Beispiel 1:
Die Agentur „Smartsites“ erschien in 85 von 95 Antworten (89%) für E-Commerce-Marketingberater.
Beispiel 2:
Das „City of Hope“ Krankenhaus hatte eine Sichtbarkeit von 97% bei der Frage nach Krebskliniken, obwohl es nur in einem Drittel der Fälle auf Platz 1 stand.
Diese „Sichtbarkeits-Rate“ gibt dir ein Gefühl dafür, wie stark eine Marke im „Bewusstseins-Set“ der AI verankert ist. Es ist kein Ranking, sondern eher ein „Dartboard-Pattern“ – eine grobe Karte, die zeigt, wer im Spiel ist und wer nicht. Das ist eine Metrik, mit der man arbeiten kann. Aber sie erfordert einen radikal anderen Ansatz als das simple Starren auf eine einzelne Position.
Das Chaos wird größer: Der Faktor Mensch
Als wäre das alles nicht schon kompliziert genug, kommt noch der Mensch ins Spiel. Die Studie fand heraus, dass Nutzer, selbst wenn sie die gleiche Absicht haben, extrem unterschiedliche Prompts formulieren. Die semantische Ähnlichkeit lag bei mickrigen 0.081 – was die Forscher mit dem Unterschied zwischen »Kung Pao Chicken und Peanut Butter« verglichen. Beides hat Erdnüsse, aber das war’s dann auch schon.
Das bedeutet: Selbst wenn du deine Sichtbarkeit für einen bestimmten, von dir definierten Prompt misst, ist das nur ein winziger Ausschnitt aus der chaotischen Realität dessen, was echte Nutzer tatsächlich eingeben.
Was zum Teufel sollst du jetzt tun? Ein pragmatischer Guide
Okay, durchatmen. Die Lage ist nicht hoffnungslos, sie erfordert nur ein Umdenken. Hier sind ein paar konkrete Handlungsempfehlungen, die dich davor bewahren, dein Budget zu verbrennen:
- Hör auf, »Rankings« zu jagen. Sofort. Jeder Report, der dir eine »Position in AI« anzeigt, gehört in den digitalen Reißwolf. Diese Metrik ist bedeutungslos und irreführend.
- Denke in »Visibility %« (Sichtbarkeits-Raten). Wenn du AI-Performance messen musst, ist das die einzige halbwegs verlässliche Metrik. Frage dich: In wie viel Prozent der Antworten auf relevante Prompts taucht meine Marke auf? Und wie ist das im Vergleich zum Wettbewerb?
- Fordere radikale Transparenz von deinen Tool-Anbietern. Bevor du einen Vertrag unterschreibst, stelle die harten Fragen, die auch die SparkToro-Studie aufwirft: Wie viele Prompts werden wie oft ausgeführt? Wie wird die Varianz berücksichtigt? Zeigt mir eure Methodik! Wer hier mauert, hat etwas zu verbergen.
- Erinnere dich an die Lektionen von SEO. Wir haben das alles schon einmal durchgemacht. Lass dich nicht von Hype und Buzzwords blenden. Konzentriere dich auf das, was wirklich zählt: Signale im echten Markt zu erzeugen, die so stark sind, dass keine AI an deiner Marke vorbeikommt, egal wie oft sie würfelt.
Die Ära der künstlichen Intelligenz im Marketing hat gerade erst begonnen, und sie ist chaotischer und unvorhersehbarer, als uns die Hochglanzbroschüren der Tech-Konzerne weismachen wollen. Es ist verlockend, in alten Mustern zu verharren und vertraute Metriken wie »Rankings« auf neue Technologien zu übertragen. Aber das ist, als würde man versuchen, ein Pferderennen mit den Regeln von Schach zu gewinnen.
Die gute Nachricht? Du bist jetzt gewarnt. Du weißt, dass du in einer Lotterie spielst. Und wer die Regeln des Spiels kennt, hat immerhin eine Chance, nicht sein ganzes Geld zu verlieren. Vielleicht gewinnst du sogar. Aber verlass dich nicht drauf.
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Marco Janck ist Online-Marketing-Experte mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in SEO und Content-Marketing. Er ist Gründer und Inhaber der Sumago GmbH mit Sitz in Berlin. Unter diesem „Dach“ agieren die Boutique-SEO-Agentur SEONAUTEN und die CAMPIXX mit seinen Konferenz-, Fortbildung- und Informationsangeboten. Marco Janck ist aktiver Speaker auf anderen Konferenzen, wie der SMX, SEOkomm, SEO Day oder dem OMT. Weiterhin ist er aktiver und bekannter Podcast-Host in den Podcasts Wayne und Jung & Janck im CAMPIXX-Universum. Vor der Gründung von Sumago war Marco 27 Jahre lang Polizist in Berlin.





